Bildung in der Schweiz - von hoher Bedeutung

Ohne attraktivere Betreuungsmöglichkeiten verliert die Schweizer Wirtschaft qualifiziertes weibliches Humankapital.

Wussten Sie, dass Bildung nicht nur klug, sondern auch gesund macht? Kein Scherz: Bildung steigert gemäss einer OECD-Studie den körperlichen und geistigen Gesundheitszustand. Gleichzeitig werden in der Studie aber auch makroökonomische Bezüge hergestellt: Eine längere Schulbildung einer Person führe langfristig auch zu einer Steigerung des BIP.
Hochqualifiziertes Humankapital wird für die Schweizer Wirtschaft in einer zunehmend globalisierten und arbeitsteiligen Welt zum entscheidenden Faktor. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Frauen immer besser ausgebildet sind, der Anteil der Männer aber stabil bleibt, ist langfristiges Wachstum zwingend mit einer Erhöhung der weiblichen Erwerbsquote verbunden. Der «Economist » spricht gar von der weltweit schlechtest genutzten Ressource!
Um diese zu fördern, subventioniert allein der Kanton Zürich seine Kinderkrippen mit jährlich über 30 Mio Fr. Heikel an der ganzen Sache ist, dass damit genau jenen Müttern die Erwerbstätigkeit erschwert - nicht erleichtert - wird, von denen man sich den grössten Wachstumsschub erhofft: Jenen des Mittelstandes. Wie kommt das?
Das Schweizer Steuersystem sieht einkommensabhängige Betreuungskosten vor, was vor allem Familien mit kleinen und mittleren Einkommen entlasten soll. Aber bereits ab einem jährlichen Einkommen von 60 000 Fr. lohnt es sich für den anderen Elternteil (meist die Mutter) finanziell gar nicht, mehr als zwei Tage zu arbeiten. Dies zeigt sich umso deutlicher, je mehr Kinder eine Familie hat. Mehr Arbeiten hiesse dann paradoxerweise weniger verdienen. Erstens geht dem Wachstumsmotor der Schweizer Wirtschaft auf diese Weise quasi der Sprit aus, zweitens verliert die Wirtschaft dringend benötigtes Humankapital, und drittens werden so die demografischen und Babystreik-Probleme nicht gelöst.
Dabei stimmt die Stossrichtung durchaus: Ohne attraktivere Betreuungsmöglichkeiten ist eine Erhöhung der Erwerbsquote kaum denkbar. Optimierungspotenzial besteht vielmehr bei der Umsetzung. Eine sinnvolle Alternative wäre etwa die Einführung von Betreuungsgutscheinen, die an eine Erwerbsarbeit geknüpft sind. Klar ist: Soll Bildung nicht nur gesund, sondern auch rentabel sein, müssen gut ausgebildete Frauen auch die Chance erhalten, ihr Potenzial einzusetzen. Externe Kinderbetreuung ist also nicht nur eine politische, sondern auch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung - auf ideologische Scheuklappen von links und rechts können wir gut verzichten.

© 2007 «Handelszeitung»

 

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