Qualifizierte Kita-Angebote!

Qualifizierte Kita-Angebote!

Nach wie vor fristet die Kita – trotz hoher Nachfrage – ein eher stiefmütterliches Dasein. Wir sind in der Verantwortung, dies jetzt zu ändern, fordert Carolina Müller-Möhl.

Keine Frage, familienpolitisch gibt es in der Schweiz noch sehr viel zu tun. Vor allem an einer Institution lässt sich bestens ablesen, wie es um die mangelnden Fortschritte in unserer Familienpolitik bestellt ist. Eine Institution, für die es zwar eine hohe Nachfrage gibt, die aber trotzdem ein stiefmütterliches Dasein fristet: unsere Kita.

Die Kita ist das Berufsfeld von vielen hochmotivierten Frauen und Männern, die für unsere Kinder täglich ihr Allerbestes geben. Das ist eigentlich erstaunlich, denn die Mitarbeitenden erwarten dort meist schlechte Entwicklungsperspektiven, wenig Lohn, eine harte Arbeitsbelastung, gehörig Zeit- und Kostendruck und last but not least: mangelnde gesellschaftliche Anerkennung. Entsprechend sollte es uns nicht verwundern, dass es bei der einen oder anderen Kita Probleme gibt.

Reformen sind notwendig. Die Kindheit ist die wichtigste Phase im Leben eines Menschen. Sie ist entscheidend für alles, was danach kommt, an Lebensfreude, Ideenreichtum, Gesundheit, sozialem Engagement, wirtschaftlicher Produktivität und vieles mehr. Neben den zentralen familiären Grundstrukturen ist die Kita hier ein ganz zentraler Player. Sie fördert Kinder, bereitet sie ihren Bedürfnissen entsprechend auf das zukünftige Leben vor, und verhilft den Eltern dazu, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wenn sich damit dann auch beide Elternteile beruflich verwirklichen können, trägt ihr höheres Einkommen zu mehr Steuereinnahmen bei, welches wiederum der ganzen Gesellschaft zugutekommt. Dem Fachkräftemangel wird damit auch begegnet, nicht zuletzt für die Kita selbst.

Ein gutes, qualifiziertes Kita-Angebot bietet für die Kinder, die Familien und die Gesellschaft also nur Vorteile – weswegen wir alle dafür sorgen sollten, dass wir mehr qualifizierte Facharbeiter/innen ausbilden und dass diese sich beruflich weiterentwickeln können. Denn heute sind unsere Kitas noch zu sehr ein beruflicher Schleudersitz, auf denen sich meist nur junge Frauen für eine kurze Zeit halten können. Sie leisten sehr viel für wenig Geld. Hierauf müssen wir mit Ausbildungsoffensiven und Investitionen reagieren. Zusätzlich müssen wir den Angestellten in der Kita die gesellschaftliche Anerkennung zuteil werden lassen, die sie verdienen.

Es gibt gute Beispiele von Kitas in der Schweiz. Und die Romandie macht es der Deutschschweiz vor. Die Finanzierung ist dort durch Gemeinden und Unternehmen viel besser geregelt, und das Personal zeichnet sich häufiger durch bessere Qualifizierungen aus.

Warum gehen wir weiterhin stiefmütterlich mit unserer Familienund Gesellschaftspolitik um? Wir sind in der Verantwortung, und wir müssen jetzt Reformen umsetzen. Auf unseren Nachwuchs dürfen wir die notwenigen familienpolitischen Reformen nicht abschieben. Wieso auch? Wir bieten unserem Nachwuchs ja nicht die Kita, die er verdient. Oder?

 

Der Artikel ist am 20.08.2020 in der Women in Business erschienen.

 

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